Leitbild und Präambel der Lebenshilfe

für Menschen mit Behinderung Kreisvereinigung Regen e.V.

Leitbild und Präambel der Lebenshilfe

Präambel
Die Lebenshilfe fördert das selbstbestimmte Leben von Menschen mit Behinderungen. Dabei wird die Angleichung an die Lebensbedingungen von Menschen ohne Behinderungen ange­strebt. Dieses erfordert die Schaffung verschiedener Fördereinrichtungen wie Frühförderung, vorschulischer Bereich, Schule sowie medizinische Leistungen, aber auch Wohn-, Lebens- und Arbeitsformen. Dazu arbeiten Nutzer, alle Mitarbeiter, Eltern und Angehörige bzw. Betreuer und die Lebenshilfe als Träger zu­sammen. Rahmen bilden die in den Einrichtungen der Lebenshilfe Regen gemeinsam erarbeiteten Konzeptionen, die immer wieder überprüft und fortgeschrieben werden, sowie unser gemeinsames Leitbild.

Die Konzeptionen dienen einer genauen und differenzierten Beschreibung der unterschiedlichen Aufgabenbereiche. Sie soll den Angehörigen bzw. Betreuern und allen Freunden und Förderern transparent die Ziele und Inhalte unserer Arbeit darlegen. Den Konzeptionen soll das gemeinsame Leitbild als Grundlage dienen und neben den eigenen Schwerpunkten auch die einander ergänzenden und kooperierenden Angebote zu den anderen Abteilungen der Lebenshilfe beschreiben.

Für die Mitarbeiterinnen stellen das Leitbild und die Konzeptionen eine verbindliche Richtlinie dar, deren Kenntnis und Umsetzung Inhalt des Arbeitsauftrages ist. Dies ist allerdings nicht als starres Gerüst zu be­trachten, sondern als Leitfaden, der einer kontinuierlichen Überprüfung und Weiterentwicklung unterliegt. Der Träger artikuliert damit auch seine Erwartungen an die Mitarbeiterinnen und kann die Erfüllung der Aufgaben und Ziele kontrollieren.

Derzeit befinden sich Ansichten und Wertvorstellungen über Behinderungen bei Menschen stark im gesellschaftlichen Wandel. Dieses drückt sich auch in etlichen Neufassungen entspre­chender Sozialgesetze und -verordnungen aus. Viele verwandte Begriffe sind nicht mehr ein­deutig oder gar widersprüchlich. So werden Worte wie "Heimgesetz, Heimleiter; Heimfürspre­cher ... "verwendet, obwohl der "Heim" - Charakter anerkannter Weise passe' sein sollte. Aber auch wahre und reale Integration und dadurch Normalität von Geburt an, ist ein viel diskutiertes und uns wichtiges und ständig begleitendes Thema. Umso wichtiger ist ein Leitbild, das im größeren Zeitrahmen einen sicheren Überblick über Sichtweisen und Absichten bietet.

Leitbild und Präambel der Lebenshilfe

Leitbild
Behinderungen sind kein Stigma, sondern eine Beschreibung bestimmter eingeschränkter Mög­lichkeiten, die in der Allgemeinheit als natürlich angesehen werden. Diese sind in Beurteilung und Auswirkung gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen unterworfen. Es gibt viele Einschränkungen, die von außen (Gesellschaft, Infrastruktur etc.) vorgegeben sind und auch Mehrheiten in der Bevölkerung betreffen können. Im Gegensatz dazu wird der Begriff Behinderung allgemein erst verwendet, wenn vereinzelt Personen betroffen sind. Sind viele Personen betroffen, können die behindernden Umstände bei genügendem Engagement relativ leicht den Bedürfnissen ange­passt werden. Sind die Behinderungen nur für Minderheiten relevant, bleiben diese dann von den behindernden Bereichen ausgeschlossen und sie müssen individuelle Kompensationsstrategien entwickeln oder bleiben eingeschränkt.

Dabei bilden Menschen mit Behinderungen einen großen Anteil an der Gesamtbevölkerung. Sie leben jedoch oft mit ihrem Schicksal vereinzelt und ohne starke Lobby. Da es ihnen, bedingt durch ihre Behin­derung, oft nicht möglich ist, ihre Interessen alleine zu formulieren und es ihnen oft auch nicht möglich ist, ihre Rechte zu kennen, sind sie hierbei auf Hilfestellung und Unterstützung angewiesen. Die Gesetzeslage bietet hier mittlerweile teilweise eine gute Grundlage zur Umsetzung der persönlichen Ansprüche. Doch bei der Umsetzung des Rechts in den Alltag werden doch oft wieder hohe verwaltungstechnische Hürden errichtet. Die Lebenshilfe und besonders auch die Kreisvereinigung Regen sieht es als ihre Aufgabe, die Menschen mit Behinderungen einerseits bei der Umsetzung ihrer individuelle Kompensationsstrategien und Rechtsansprüche unterstützend zu begleiten. Andererseits wollen wir auch eine Lobbyfunktion ausüben, um die gesellschaftlichen Bedingungen auf die Erfordernisse der Menschen mit Behinderungen voranzubringen.

Ziel soll es sein, dass die Menschen mit Behinderungen immer weniger auf unsere aktive Hilfe angewiesen sind und dass behinderungskompensierende Maßnahmen als Dienstleistung wahrge­nommen und in Anspruch genommen werden.

Die Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Kreisvereinigung Regen e.V. fühlt sich insbesondere den folgenden Leitprinzipien verpflichtet:

Leitbild und Präambel der Lebenshilfe

Respektierung der Persönlichkeit
In unseren gemeindenahen Einrichtungen stehen der persönliche Wille und die Würde der betroffenen Menschen selbst im Vordergrund unseres Handelns. Verständnis, Ermutigung und Unterstützung sind wichtig auf dem Weg zu Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Das erfordert eine intensive, vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit zwischen allen in der Lebenshilfe verantwortlichen Kräfte, den Menschen mit Behinderungen, ihren Angehörigen und den gesetzlichen Betreuer(inne)n, sowie den zuständigen Behörden.

Zusammenarbeit
Da wir soziales Verständnis und Respekt für Menschen mit (geistiger oder mehrfacher) Behinde­rung in der Gesellschaft fordern, muss auch die innere Struktur unserer Einrichtungen von den Prinzipien des Respekts und menschlicher Solidarität geprägt sein. Fairness, Offenheit und Kritikfähigkeit bestimmen daher das Handeln aller verantwortlichen Personen nach innen und nach außen. Die Einbeziehung der Menschen mit Behinderungen, ihrer Angehörigen und der gesetzlichen Betreuer in die wichtigen Entscheidungsprozesse ist ein wesentliches Merkmal unserer Einrichtung.